Sturmhochwasser an der Ostsee

Hochwassermarke von 1872 in Greifswald-Wieck Hochwassermarke von 1872 in Greifswald-Wieck

Hochwasserereignisse kamen und kommen natürlich auch an der Ostseeküste vor. Im Gegensatz zur Nordsee gibt es in der Ostsee aber keine Ebbe und Flut. Deshalb trifft der in der Nordsee verwendete Begriff „Sturmflut“ in der Ostsee nicht zu, auch wenn das Ostseehochwasser oft so bezeichnet wird. In der Ostsee tritt ein Hochwasserereignis immer im Zusammenhang mit einem Sturm auf, weshalb es hier eben Sturmhochwasser heißt. Auch an der Ostsee hatten bisher nachgewiesene oder überlieferte Hochwasserereignisse gravierende Auswirkungen auf den Küstenverlauf und das Leben der Menschen an der Küste.

Entstehung von Sturmhochwasser

Wenn bei tagelangem Weststurm das Ostseewasser nach Osten gedrückt wird, staut sich das Wasser in den östlichen Buchten der Ostsee, vor allem im Finnischen Meerbusen und löst dort ein starkes Sturmhochwasser aus. St. Petersburg wurde z.B. mehrfach auf diese Weise überschwemmt. Gleichzeitig fließt Nordseewasser in die westliche Ostsee nach. Bei Nachlassen des Weststurms ergibt sich dann alleine durch das Zurückschwappen des Ostseewassers nach Westen ein erhöhter Wasserstand. Wenn dazu noch der Sturm plötzlich auf Ost dreht, verstärkt sich der Rückschwappeffekt und zusätzlich trifft das Wasser auf das nachgeflossene Nordseewasser. Aus diesen Gründen sind alle niedrig gelegenen Küstengebiete vor allem der westlichen und der östlichen Ostsee gefährdet, also fast die gesamte Küste von Südwestschweden über die dänischen Inseln, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Vorpommern bis nach Polen.

Schwere Hochwasserereignisse an der Ostsee

In Rügener Chroniken wird für das Jahr 1044 ein Hochwasserereignis erwähnt. Die erste genauer überlieferte „Flut“ an der Ostsee war die sogenannte Allerheiligenflut 1304, wodurch offenbar die bis dahin bestehende Landverbindung zwischen der Insel Rügen und der kleinen Insel Ruden zerstört wurde. 1374 wird für Wismar, 1625 für Rerik und Travemünde schwere Überschwemmungen vermeldet. Zu jener Zeit waren die Folgen auch deshalb so gravierend, weil es noch keinen Küstenschutz gab. Das bisher schwerste Sturmhochwasser fand 1872 statt.

Das Sturmhochwasser am 13. November 1872

Hochwassermarke in Maasholm an der Schleihatte verheerende Auswirkungen auf die gesamte westliche Ostseeküste. Mit einem Pegelstand von 2,70 über NN war es das bisher höchste Hochwasserereignis an der Ostsee. Insgesamt waren 271 Todesopfer zu beklagen. Die Inseln Usedom und Vilm wurde zeitweilig durchtrennt, wogegen der Prerowstrom zwischen dem Darß und dem Zingst versandete. Es gilt als Jahrtausendhochwasser. Noch heute sind die damaligen Pegelstände in Warnemünde und Greifswald-Wieck an Gebäuden mit Tafeln markiert. Am stärksten betroffen waren die Orte an der Ostseeküste von Schleswig-Holstein.

 

 

 

Küstenschutz und Hochwasser nach 1945

Durchlass am Petersburger DammVor allem das Hochwasser von 1872, aber auch die Folgeereignisse 1903/04 und 190213/14 führten zu planmäßiger Anlage von Küstenschutzbauten. Deiche wurden errichtet, Dünen verstärkt und gesichert. Dadurch konnten vor allem in der Zeit nach 1945 die Folgen von Sturmhochwasser deutlich verringert werden. So beispielsweise 1954, 1995 und 2006. Ein komplexes Bauwerk, das auch aus Hochwasserschutzgründen erbaut wurde, ist der Damm durch den Finnischen Meerbusen, der nicht nur St. Petersburg mit Fluttoren vor Überschwemmungen schützt, sondern auch zur Verkehrsentlastung beiträgt. Größtes gegenwärtiges Küstenschutzprojekt an der Ostsee ist das Sperrwerk von Greifswald-Wieck, das 2015 übergeben werden soll.

Foto: © oben: Wikipedia.de_Axt_CC0 1.0; Mitte: Wikipedia.de_Peter Oldekop_CC BY-SA 3.0; Wikipedia.de_Ssr_CC BY-SA 3.0

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