Bäderarchitektur Ostsee
Die Bäderarchitektur hat an der Ostseeküste des Urlaubslands Mecklenburg-Vorpommern einen hohen Stellenwert. Zahlreiche Feriengäste besuchen die Ostseebäder Mecklenburg-Vorpommerns gerade wegen ihrer Bäderarchitektur. Die meisten Bädervillen stammen aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende, als der Bade- und Kurbetrieb an der Ostsee sich immer größerer Beliebtheit erfreute, und wurden in den letzten 20 Jahren aufwändig saniert. Wo ein Erhalt nicht mehr möglich war, entstanden neugebaute Villen im Stil der Bäderarchitektur. Die Bäderarchitektur ist streng genommen kein eigenständiger Baustil. Vielmehr wurden zahlreiche Stilelemente aus der Bauweise des Klassizismus und Jugendstils übernommen und zu eigenen Kreationen verschmolzen. Die Seebädervillen sind meist zwei- bis vierstöckig in massiver Bauweise, seltener in Holzbauweise, immer aber mit aufwändigen Holzvorbauten und -stilelementen versehen. Die Bäderarchitekturvillen sind oft direkt an der Promenade angeordnet. Je nach Platzangebot liegen sie eng beieinander oder sind von großen Parks umschlossen. Ein immer wiederkehrendes Stilelement sind meist verglaste Balkone und Veranden, die den Badegästen zwar die Sicht auf Düne und Ostsee ermöglichen, gleichzeitig aber Schutz vor Wind und Wetter bieten. Außerdem finden sich meist ein oder mehrere Stilelemente aus der klassischen Architektur wie Säulen oder Halbsäulen, ausladende Rundbogenfenster oder rechteckige Glaselemente, Resalite, Türme und aufwändige Giebelformen.
Besonders schöne Bäderarchitektur-Ensembles finden Ostsee-Urlauber auf der Insel Usedom, auf der Insel Rügen, im Seeheilbad Heiligendamm, in Bad Doberan, im Ostseebad Kühlungsborn und im Ostseeheilbad Graal-Müritz.
Bäderarchitektur Insel Usedom
Auf der Ostsee-Insel Usedom erstrecken sich entlang der Promenaden in den Seebädern Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck zahlreiche Villen im Stil der Bäderarchitektur. Die schönste Ansicht von Ensembles findet sich in der Bansiner Bergstraße. Hier stehen die weißen Villen dicht an dicht. Zwischen den Seeheilbädern Bansin und Heringsdorf erstrecken sich viele Bädervillen, die von großen Parks umgeben sind. Sie wurden zumeist von einflussreichen Geschäftsleuten Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Bereits damals galt die Insel Usedom als „Badewanne Berlins“ und zog viele gutbetuchte Berliner Familien zur Sommerfrische an. Während in Bansin die Farbe Weiß vorherrscht, finden sich hier an der Strandpromenade teils farbenprächtige Fassadengestaltungen.
Ein besonderes Schmuckstück, das die Bäderarchitektur hervorgebracht hat, ist die Villa Oechsler im Seeheilbad Heringsdorf. Die Fassade der Villa im klassizistischen Baustil ist ausgesprochen aufwändig verziert. Den von Säulen getragenen Dreiecksgiebel Richtung Ostsee ziert das Glasmosaik „Badende Grazien“ aus dem Haus Antonio Salviati. Glasmosaike haben im Gegensatz zu Wandmalereien den Vorteil, dem rauen Wetter an der Ostsee besser zu strotzen.
Die wohl schönste Repräsentantin der Bäderarchitektur auf Usedom und zugleich das Wahrzeichen der Insel ist die Seebrücke in Ahlbeck. Der historische Bau geht auf das Jahr 1882 zurück. Trotz zahlreicher Restaurierungen und ergänzender Umbauten wurde der ursprüngliche Charakter der Ahlbecker Seebrücke bis heute erhalten.
Bäderarchitektur Insel Rügen
Auf der Ostsee-Insel Rügen können sich Feriengäste an der Bäderarchitektur vor allem in den Ostseebädern Binz, Sellin und Göhren erfreuen, aber auch in anderen Seebädern finden sich Bauten dieses Stils. Das Kurhaus in Binz stellt einen beeindruckenden Vertreter der Bäderarchitektur dar. Der klassizistische Bau in Weiß ist mit zahlreichen Türmen, Säulen und Reliefs geschmückt und beherbergt heute ein Hotel der gehobenen Klasse. Die Seebrücke im Ostseebad Sellin ist die wohl schönste und meist fotografierte Vertreterin der Bäderarchitektur auf Rügen. Den weißen Bau mit dunklem Dach zieren zwei große, miteinander verbundene Türme, große Fensterflächen, die den Blick auf die Ostsee erlauben, sowie zahlreiche Dreiecksgiebel. Die Ursprünge der Selliner Seebrücke liegen im Jahr 1906, von der historischen Bebauung ist aber leider nichts mehr erhalten. Der jetzige Aufbau wurde 1998 eröffnet.
Bäderarchitektur Heiligendamm und Bad Doberan
Das Seeheilbad Heiligendamm ist ein Ortteil von Bad Doberan und gilt als ältestes deutsches Seebad. 1793 ließ Herzog Friedrich Franz I von Mecklenburg-Schwerin hier das erste Badehaus an der deutschen Küste errichten. Die heilsame Wirkung des Meerwassers konnten sich vornehmlich gutbetuchte Badegäste leisten. So entstanden bald zahlreiche Villen im Stil der Bäderarchitektur. Die vorherrschende Farbe Weiß bei der Fassadengestaltung mit klassizistischen und Jugendstilelementen brachte Heiligendamm den Beinamen „Weiße Stadt am Meer“ ein. Ab 1996 wurden viele der Bädervillen von einer Investorgruppe aufwändig saniert. Heute beherbergen die Bädervillen entlang der Strandpromenade ein Luxushotel.
Bäderarchitektur Kühlungsborn und Graal-Müritz
Das Ostseebad Kühlungsborn bestand bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aus drei kleineren Dörfern. Mit der Aufnahme des Badebetriebes in der Region entstanden nach und nach zahlreiche Villen im Stil der Bäderarchitektur und sorgten dafür, dass die Dörfer zu einem Ganzen, seit 1938 das heutige Ostseebad Kühlungsborn, zusammenwuchsen. Architekturbegeisterte Feriengäste können in Kühlungsborn einige besondere Schmuckstücke der Bäderarchitektur finden. Charakteristisch ist, dass die Villen oftmals größere Bauten sind. Während beispielsweise auf der Insel Usedom Einzelvillen mit wenigen Appartements dominieren, finden sich in Kühlungsborn größere Bauten, die meist Hotels oder Kurbetriebe beherbergen. Aber auch in Kühlungsborn sind die für die Bäderarchitektur typischen Stilelemente aus Klassizismus und Jugendstil zu finden. Leider wurde die Bausubstanz der Villen nach dem Zweiten Weltkrieg kaum gepflegt, so dass die Gebäude über Jahrzehnte langsam verfielen. Zahlreiche Bädervillen wurden nach der politischen Wende aufwändig saniert und beherbergen heute Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Für einige Villen lohnte sich eine Sanierung nicht mehr. Sie wurden abgerissen und durch Neubauten ersetzt, die wiederum die typischen Stilelemente der Bäderarchitektur tragen.
Ähnlich verhält es sich auch mit der Baderarchitektur-Bebauung im Seeheilbad Graal-Müritz. Die beiden Ortschaften Graal und Müritz sind durch den Bade- und Kurbetrieb, der hier in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts begann, und damit notwendige Errichtung von Logishäusern langsam zusammengewachsen. Wie auch in den anderen Seebädern Mecklenburg-Vorpommern verfiel die Bausubstanz der Bädervillen während der DDR-Zeit zunehmend, aber auch das Seeheilbad Graal-Müritz konnte in den letzten zwei Jahrzehnten von den Sanierungsmaßnahmen und Neubebauungen in den Seebädern profitieren. Die Bädervillen wurden aufwändig nach historischem Vorbild saniert, und Neubauten tragen zur Freude der Ostsee-Urlauber auch die Stilelemente der Bäderarchitektur.
Weitere Informationen und Fotos zur Bäderarchitektur an der Ostsee Mecklenburg-Vorpommerns, speziell auf den Inseln Usedom und Rügen, finden Sie auf der Seite www.usedom-exclusiv.de.
Foto: © Karin Höll (Bansin, Ahlbeck), Birgit Winter/pixelio.de (Sellin), Huber/pixelio.de (Kühlungsborn)
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