Die 'Norwegian Dream' auf dem Nord-Ostsee-Kanal

Die 'Norwegian Dream' im Nord-Ostsee-Kanal (Foto: Peer Schmidt-Walther) Die 'Norwegian Dream' im Nord-Ostsee-Kanal (Foto: Peer Schmidt-Walther)

Größtes Kanal-Schiff immer wieder ein gern gesehener Gast
Kapitän Aage Hoddevik kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Hoch über ihm auf der Grünentaler Hochbrücke bei Kilometer 30 eine dichte Menschentraube. Hunderte von Armen rudern durch die Luft. „Das ist unser Fan-Club", erklärt der norwegische Hüne und drückt sichtlich gerührt auf den Typhon-Knopf. Dreimal lang dröhnt die mächtige "Tröte" der "Norwegian Dream": Gruß und Dank. Hoddevik strahlt: "In Schleswig-Holstein weiß man spätestens jetzt: Wir sind wieder da!"

Insgesamt sieben Mal wiederholt sich das Spektakel alle Jahre wieder. "Und immer stehen sie da oben mit ihrem riesigen Champion-Transparent". Der schneeweiß Uniformierte winkt von der Backbord-Nock aus in die Höhe und schwenkt die Mütze. Die Passagiere an Deck, meist Nord- und Südamerikaner, tun es ihm gleich. Sie sind hundertfach begeistert. Auch von der Fahrt auf der "Hochsee-Autobahn", dem Silberband zwischen den Meeren: "Better than the Panama-Canal", findet der kanadische Hotel-Direktor Brad Gallant.. "Dream"-Wetter an diesem Maien-Tag: strahlender Traumschiff-Himmel, wie bestellt.

Belagerungszustand
Mit 50.760 BRZ, 230 Meter Länge, 29 Meter Breite und 6,7 Meter Tiefgang ist der NCL-Liner das größte Schiff, das den Nord-Ostsee-Kanal gerade noch passieren kann. Wobei - eine absolute Besonderheit - der gewaltige Schornstein umgeklappt werden muss. Die Spezialkonstruktion stammt von der Bremerhavener Lloyd-Werft, die das Schiff 1989 um vierzig Meter verlängert und umgebaut hat. Mehr als 39 Meter Höhe lassen die Brücken nämlich nicht zu. Das gilt auch für die Schwester "Norwegian Wind".
"Gute Fahrt!", hört man es noch vielstimmig, bis die über das Schiff hinweg gleitende Brücke den Chor verstummen lässt. Doch schon ein paar Hundert Meter weiter herrscht erneut "Kanal-Belagerungszustand". Mit Wohnmobilen, PKWs, Fahrrädern und zu Fuß sind sie angereist, um "ihre Dream" zu bestaunen, norwegische und amerikanische Flaggen schwenkend. Der weiße Riese bleibt noch weitere 67 Kilometer die Sonntags-Attraktion im nördlichsten Bundesland. Immer wieder lässt Aage Hoddevik das klangmächtige Typhon los röhren. Die Steuerleute der Kanalfähren stimmen jedes Mal ein ins Signal-Konzert, das den Shiplovern die Nackenhaare aufstellt. In Rendsburg nimmt Kapitän Hoddevik Haltung an, denn die Schiffsbegrüßungsanlage unter der Eisenbahn-Hochbrücke intoniert die norwegische Hymne.

Gruß an Kiel
Hinter Sehestedt, zwischen Königsförde (Kilometer 80) und Neu-Wittenbek (Kilometer 90) wird´s schiffseng. Beim Dinner im verglasten Sun-Deck hat man das Gefühl, dass "Norwegian Dream" die Bäume rasiert. Präzisionsarbeit für den Kanalsteurer am Ruder. Nur die Gäste halten den Atem an.
Nach knapp acht Stunden genüsslicher Schleichfahrt an schmucken Herrenhäusern vorbei durch Wälder, Wiesen, Weiden und Felder mit weiten Blicken über das Land zwischen den Meeren und würzigem Landduft fädelt sich der Kreuzfahrer in die südliche Kammer der Kanalschleuse Kiel-Holtenau ein. Problem- und kratzerlos. "Routine für uns", kommentiert einer der Festmacher das Manöver "cool". Die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Breiholz, die während der Kanal-Passage am Pool-Deck für Stimmung gesorgt hat, schmettert zum Abschied den Marsch "Gruß an Kiel", beklatscht von den Seh-Leuten an der Reling.

Mit Kurs auf St. Petersburg schiebt sich die "Norwegian Dream" in die abendliche Förde. Nur ihre Christbaumbeleuchtung ist noch lange auf der Ostsee zu sehen.
 
Text und Foto: Peer Schmidt-Walther

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