Bike and Sailing auf der 'Meander'

Mit Rad und Dampf über Rügen (Foto: Peer Schmidt-Walther) Mit Rad und Dampf über Rügen (Foto: Peer Schmidt-Walther)

Festgemacht hat neben der Alten Lotsenwache der Zweimast-Toppsegelschoner „Meander“ aus dem holländischen Kampen am Ijsselmeer. Er operiert mit einem in hiesigen Gewässern bisher nicht angebotenen Konzept: „bike and sailing“ heißt es. Und das gefällt vielen ausgesprochen gut. „Uns haben in erster Linie Revier, Landschaft und günstige Erreichbarkeit gereizt“, erklärt Kapitän und Eigner Gerrit van der Veer auf die Frage, warum er sich zunächst Stralsund und dann Wolgast als Basishäfen ausgesucht habe. Seit 1985 segelt er mit seiner deutschen Partnerin Ingela Abbing in der Ostsee und kennt auch die angrenzenden Sund- und Boddengewässer wie seine Westentasche. „Wir haben schon viele Häfen besucht“, ergänzt die junge Frau, „aber für unsere Zwecke bietet dieses Revier ideale Voraussetzungen“.

„Bike & sailing“ heißt das magische Stichwort. Darunter versteht man eine kombinierte Segel- und Fahrradreise. „Das ist sozusagen die niederländischste Art zu reisen“, schmunzelt Gerrit, „denn wir verbinden abwechslungsreiche Radtouren und attraktive Ausflugsmöglichkeiten mit einem angenehmen Aufenthalt an Bord“. Der traditionelle Schoner „Meander“ sozusagen als schwimmendes Hotel: wohnen, essen und übernachten unter Segeln. Und relaxen nach den Radtouren. Dafür sorgen viel Platz an Deck, ein gemütlicher Aufenthaltsraum, Küche, Bar, vier Zweibett- und zwei Einzelkabinen, zwei Duschen und WCs. Zehn Gäste können untergebracht werden. In maritimem Wohlfühl-Ambiente mit messingglänzenden Bulleyes, holzgetäfelten Wänden, gemütlichem Licht. Da kommt man abends gern an der Back zusammen, um über die Radel- und Segelerlebnisse zu klönen. Die doppelstöckigen Kojen erinnern an die auf Großseglern. Doch „Meander“ bietet individuellere Erlebnisse in kleinstem Kreis.

Klar zum Segelsetzen vor Rügen (Foto: Peer Schmidt-Walther)Während man selbständig die Landschaft erkundet, folgt das Schiff auf dem Wasserweg. „Du kannst selbstverständlich“, so Ingela, „das Rad an Bord lassen und zum Tagesziel segeln, wenn dir danach ist“. Auch als ich mein Rad von zu Hause mitgenommen habe, gab es damit keine Probleme. Ich war zum Schnuppern dabei vom Rügen´schen Gager über Lauterbach nach Stralsund. Ein Teil der Gruppe segelte, der andere strampelte und ließ sich das letzte Stück unter Dampf mit dem „Rasenden Roland“ kutschieren.

Kap Horn gerundet
Wer sich den Steven der „Meander“ genauer ansieht, entdeckt die übermalte Kennung HF 499. Der zufällig vorbei kommende Zeesboot-Skipper und NDR-Redakteur Lutz Riemann weiß auch gleich etwas damit anzufangen: Hochseefischerei Finkenwerder. Gerrit und Ingela können ihm und mir noch mehr erzählen: gebaut 1949 als Fischkutter „Anna Woltmann“ bei Hamburg und bis 1989 im Dienst, 25,16 Meter lang, 6,20 Meter breit, 3,10 Meter Tiefgang, 350 Quadratmeter Segelfläche, 250 PS-MAK-„Flautenschieber“, 2001 komplett renoviert. Als Schiffbauer und Tischler legt Gerrit natürlich selbst Hand an, dessen Lebenstraum mit einer Versteigerung begann. Umgebaut hat er den Zweimaster innerhalb eines Jahres allein.

Doch dann kramt der Skipper ein Fotoalbum hervor. Riemann und ich staunen angesichts von Eisbergen nicht schlecht und hören, dass die „Meander“ 1998 sogar das berüchtigte Kap Horn gerundet hat und mit Gästen bis in die Antarktis und nach Südgeorgien vorgestoßen ist. Das sei, so Gerrit stolz, den hervorragenden Seeeigenschaften und der Stabilität des Schiffes zu verdanken gewesen, das auf den sieben Weltmeeren zu Hause ist.
Auf den Falkland-Inseln im Südatlantik habe man überwintert. Über Südamerika, die Karibik und New York wurde schließlich nach zwei Jahren die lange Rückreise angetreten.

Text und Fotos: Peer Schmidt-Walther

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