Lavassaare: Moorlandschaft und Torfbahngeschichte

Lavassaare ist ein Ort für Reisende, die Moorlandschaft und Eisenbahngeschichte stärker gewichten als eine klassische Küstenkulisse. Die Estnische Museumseisenbahn liegt in der Siedlung Lavassaare im weiteren regionalen Umfeld von Pärnu, zwischen Moorgebieten und etwa 17 km nordwestlich von Pärnu. Für Ihre Auswahl des Reiseziels ergibt sich damit eine klare Kombination aus geschützter Natur, Torfindustriegeschichte und einem saisonalen Museumserlebnis.

Naturschutzgebiet, Moor und Lavassaare-See

Das Naturschutzgebiet Lavassaare wurde 2016 eingerichtet. Zu den geschützten Lebensräumen gehören Hochmoore, Übergangs- und Schwingmoore, Schnabelriedgesellschaften, artenreiche Niedermoore, alte naturnahe Wälder und alte Laubwälder. Im Lavassaare-Moorgebiet liegen Estlands umfangreichste Torfabbaugebiete. Zum Lavassaare-Moorgebiet im weiteren regionalen Umfeld gehören unter anderem die Moore Maima, Elbu, Nurme, Kaisma und Laisma.

Das Lavassaare-Renaturierungsgebiet umfasst Restmoor, entwässerten Moorwald und die Umgebung des Lavassaare-Sees im Lavassaare-Moorgebiet. Der Lavassaare-See ist ein öffentliches Gewässer; Baden und Angeln sind dort als kleinräumige Freizeitaktivitäten erlaubt. Der etwa 3,5 km lange Weg zum See ist sumpfig und in schlechtem Zustand. Diese unterschiedlichen Wegverhältnisse gehören zur praktischen Orientierung, wenn Sie Naturerlebnisse und historische Ziele in Ihre Reiseplanung einordnen.

Schmalspurbahn als Mittelpunkt der Ortsgeschichte

Die Estnische Museumseisenbahn ist Estlands einziges Schmalspurbahnmuseum. Ihre Innenausstellung zeigt mehr als 700 historische Fotografien, Gegenstände und Dokumente zur Geschichte der Schmalspurbahnen in Estland. Zwischen Juni und September verkehrt der Museumszug regelmäßig auf einer 2 km langen Strecke zwischen dem Museum in Müramaa und dem Dorf Lavassaare. Besucher können für die etwa 25 Minuten dauernde Fahrt zwischen Dampf-, Diesel- und Picknickzug wählen.

Hinter diesem Museum steht eine längere regionale Entwicklung: Die Museum Railway Society wurde 1987 gegründet und begann mit der Sammlung von Schienenfahrzeugen. Der alte Torfbahnknotenpunkt von Lavassaare wurde 1922 eingerichtet; 1924 wurde die Eisenbahnstrecke Lavassaare–Pärnu (Pootsi)–Sindi für den Torftransport fertiggestellt. Die heutige Siedlung Lavassaare entstand 1919 mit der Gründung der Torfindustrie Lavassaare (Jõõpre). Zur historischen Torfindustriesiedlung gehörten Werkstatt, Büro, Depot, Lagergebäude, Beamtenhäuser und aus Holz errichtete Baracken zur Unterbringung der Arbeiter.

Historische Erinnerungsorte

Auch die jüngere Geschichte des Ortes ist im Landschaftsbild präsent. Im nahe gelegenen Vana-Lavassaare, zwei Kilometer nordwestlich der neuen Siedlung, befand sich von 1941 bis 1947 das Gefangenenlager Lavassaare. Am Standort der abgerissenen Baracken befindet sich in Ülejõe tänav 6 ein behauener Findling mit einer Inschrift, die an das ehemalige Lager erinnert.

Vom Parkplatz aus ist der Militärfriedhof von Lavassaare nur zu Fuß über einen etwa 250 m langen Weg erreichbar, der teilweise befestigt und mit Holzbohlen gesichert ist. Der Friedhof liegt in einem Torfabbaugebiet mit hohem Grundwasserstand und einer für dieses Gelände typischen Vegetation.

Zur übergeordneten Reiseübersicht: Pärnu.

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