Traditionelles Training der Chinesen

Kung fu (Foto: Dr. Jerzy Dyczynski) Kung fu (Foto: Dr. Jerzy Dyczynski)

„Wenn du es machst, kannst du es“, sagte Shifu Feng, der Chef der Shaolin-Division im Shaolinkloster in Henan als er von uns auf einem Kung fu-Camp in Schweden gefragt wurde was Kung fu bedeutet.

Zuerst war es eine Kampftechnik mit Händen und Füßen. Sie entstand vor zirka 3.000 Jahren. Sie war natürlich und einfach. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sie sich intellektuell und geistig zu einer Kampfstrategie. Durch diesen Nachbau wurde sie zu einem der schwierigsten Bereiche der Kampfkünste.

Erst im Jahre 495 n. Chr. begann ihre Integration in das Gerüst des Wissens vom Zen-Buddhismus. Zu diesem Zeitpunkt wurde auf Anweisung des Kaisers Xiaowen für den indischen Mönch Ba-Tuo am Fuße des heiligen Berges Song Shan in der Provinz Henan der Klostertempel Shaolin gebaut (Shaolin bedeutet in der Übersetzung junger bewaldeter Berg). Mönch Ba-Tuo widmete sich überwiegend den Übersetzungen der heiligen Sutras und der buddhistischen Lebensregeln (Metaphysik) ins Chinesische.
Dreißig Jahre nach Gründung des Klosters kam über den Himalaya der berühmte buddhistische Mönch Bodhidharma, der als 28. Nachfolger Buddhas erkannt wurde, zum Shaolinkloster und ließ sich dort nieder. Er wurde von den Chinesen Ta Mo benannt. Während der neunjährigen Periode entwickelte er in langen Meditationen 18 Atem- und Körperübungen, die die schwach konditionierten Shaolin-Mönche stärken sollten.

Bis zur Gründung des Shaolin-Tempels wurde die traditionelle Art des Kung fu nur in der Bevölkerung Chinas ausgeübt. Unter den Kung fu Kämpfern befanden sich viele berühmte Meister, die im Namen des Guten gegen das Böse aufgetreten sind. Ihre Gegner wurden manchmal schwer verletzt, sogar getötet.
Sie haben dann eine Zuflucht vor den harten Strafen der Regierung im Klostertempel Shaolin gefunden. So kam die traditionelle Technik von Kung fu in Berührung mit den humanistischen Grundsätzen des Zen-Buddhismus und wuchs über mehr als 1.500 Jahre zu der großen Shaolin-Kung fu-Kampfkunst zusammen.

Unter dem Einfluss der metaphysischen Lehren des Tao und des I Ging (das Buch der Wandlungen) im Shaolin-Kloster erlangte Kung fu eine natürliche Klarheit und die ihr schon immer zugehörige Einfachheit. Gemäß der Lehre vom ersten Abt, dem Mönch Ta Mo, dienen seit dieser Zeit die Kampfkünste der Entwicklung von Gesundheit, Körper und Geist und sollen der Basis der menschlichen Eigenschaften wie Disziplin, Bescheidenheit und Körperbeherrschung förderlich sein. Vor allem die Achtung vor dem menschlichen Leben wurde von ihm als oberstes Gebot benannt.
Der 29. Abt des Shaolin Klosters, Zhen Xu beschrieb Kung fu Training am Anfang des 20. Jahrhunderts mit folgenden Worten: „Nur derjenige Schüler wird der Meister der Kung fu-Künste, der ständig trainiert und unter der strengen Anleitung eines guten Meisters (Meister wird im Chinesischen Shifu genannt) eine eigene moralische Integrität übt und pflegt. Ein Kung fu-Schüler sollte Schläge und Schikanen mit einem Lächeln ertragen und sich eher schlagen lassen, als selbst den ersten Schlag zu führen.“

Die Schüler werden von Anfang an in der Übung der Positionen unterwiesen. Sie müssen im Shaolin-Tempel eine tiefe Kung fu-Position beherrschen. Man nennt diese Position „Pfeil und Bogen“, wo 70% des Gewichtes auf den vorderen Fuß und 30% auf den hinteren Fuß entfallen.
Auf diese Weise wird das Körpergewicht auf die beiden Beine verteilt. Früher hatte man beim Training ein Stäbchen Weihrauch angezündet- und die Schüler mussten diese Stellung beibehalten, bis der Weihrauch verbrannte (zirka 20 bis 30 Minuten). Alle drei Monate wurde eine neue Position trainiert. Erst wenn alle Positionen verinnerlicht waren, konnte der Schüler Formen, also Sequenzen von bestimmten Bewegungen erlernen.

Die Mönche des Shaolin Klosters entwickelten in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten ihre Selbstverteidigungskünste ständig weiter. Seit den 1980er Jahren erlebt der Tempel einen bis heute andauernden Aufschwung, in dem die neue Generation der im Shaolin-Kloster lebenden Mönche diesen festen Bestandteil der traditionellen chinesischen Kultur und Medizin lehren. Aktuell leben in dem Shaolin-Kloster in der Provinz Henan am Fuß des heiligen Berges Song Shan zirka 30.000 Mönche, die ihren ausgefüllten Alltag um 4.00 Uhr mit einem 10-km-Lauf durch die bergige Landschaft beginnen. Was bisher an Vermutungen in wenigen Büchern zu finden war, wird nun immer mehr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ein Blick in die geheimnisvolle Welt der Shaolin-Kampfkunst. Als eine positive Lebenseinstellung und ein Gesundheitstraining wird Kung fu mit Sicherheit weitere Jahrtausende überdauern und noch viele Generationen in ihrer Entwicklung beeinflussen. Die Harmonie der inneren Kräfte in Einklang mit der Generierung der äußeren Energie ist eine Herausforderung für die Einheit von Körper und Geist.
Der berühmteste Vertreter des Kung fu in der westlichen Welt ist Bruce Lee, dessen Leben verfilmt wurde.

Dr. Jerzy Dyczynski

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