Sanddorn - Zitrone des Nordens

Sanddornbeeren (Foto: nordlicht verlag) Sanddornbeeren (Foto: nordlicht verlag)

Sanddorn, altdeutsch auch Sandbeere, Seedorn, Stranddorn oder Dünendorn genannt, ist ein Ölweidengewächs mit einer langen Geschichte, denn schon in der Mongolei verwendete man die Pflanze als Heilmittel für die Augen der Pferde. Daher kommt auch der wissenschaftliche Gattungsname: Hippophae (hippos für Pferd und paos bedeutet Licht). Hippophae rhamnoides ist der lateinische Name für Sanddorn. Der botanische Artname Rhamnoides heißt soviel wie kreuzdornähnlich und bezieht sich auf den Strauch Kreuzdorn. Und diese Namensgebung stammt wohl von seinem bevorzugten Wuchsort, nämlich den Dünengebieten an der See, oder auch den märkischen Sandböden im Havelland.

Typische Bestimmungsmerkmale sind an den Ästen die Dornen und die an eine Weide erinnernden Blätter, welche an der Unterseite silberweiße Behaarung fühlen lassen. Die ganz unscheinbaren Blüten entdeckt man von März bis in den Mai und die ersten leuchtend orangefarbigen Beeren findet man je nach Sorte des Sanddorns ab Ende August bis in den späten Oktober. Zur Freude aller Vögel halten die Beeren aber stabil einen ganzen Winter am Ast. Der nussartig schmeckende Samenkern, welcher ein sehr wertvolles Kernöl enthält, wird von einem weichen Fruchtfleisch eingeschlossen. Dieses beinhaltet ein nicht minderwertigeres Fruchtfleischöl. Die ganze Beere schmeckt dann zusammen sauer bis herb so etwa wie frisch gepresster Sanddornsaft.

Der Ursprung der Pflanze liegt im asiatischen Raum, hier findet er in den endlosen Steppen beste Bedingungen. Selbst im Himalaya wachsen noch Arten des Sanddorns in Höhenlagen bis zu 5.000 Meter, allerdings dann nur noch als ca. 10 cm hoher Strauch mit Beeren, welche einen Anteil von 19 % Kernöl aufweisen können.
Seit der letzten Eiszeit ist der Sanddorn auch in Europa beheimatet, hier vorrangig im Nord- und Ostseeraum. In Deutschland wächst er außerdem noch an Straßen, Autobahnen (hier lieber nicht ernten), an Flüssen, in Gärten und in Parkanlagen. Plantagenmäßigen Anbau gibt es in den GUS-Staaten, der Mongolei, China und Deutschland.

Wie kann man Sanddorn ernten, ohne dass die Beeren zerplatzen und die Finger noch heil bleiben? Die Ernte ist ein aufwendiges und mühseliges Verfahren. Manch einer presst den Saft direkt vom Ast, auch "melken" genannt. Allerdings kann man dabei mit hohen Verlusten an Mensch und Frucht rechnen und der allmählichen Verkümmerung des Strauches schon vorzeitig ins Auge sehen. Eine andere, nicht bessere Methode, ist das traditionelle Abschütteln oder Abstreifen. Hier werden Tücher unter den Busch gelegt und die Beeren dann mit Holzutensilien (keine metallischen Gegenstände!) vom Ast gelöst. Eine andere Möglichkeit ist, die fruchtbehangenen Äste von Hand zu schneiden. Man muss schon genau aufpassen welche, da man eigentlich nur alle 2 Jahre ernten könnte. Dann werden die frischen Zweige in Großraumkisten gepackt und im Kühlhaus bei minus 38°C schockgefrostet. Nach 3-4 Tagen werden die Beeren mit Hilfe einer Rüttelmaschine abgeschlagen, gereinigt und bis zum Verkauf tiefgefroren gelagert und je nach Bedarf dann frisch weiterverarbeitet.

Waren Sanddorn und Sanddornprodukte wie Säfte, Aufstriche, Sirupe, Tees und Weine in den vergangenen Jahrzehnten mehr oder weniger auf die Verwendung durch Insider beschränkt, erfährt diese Frucht jetzt in der Bundesrepublik und darüber hinaus einen gewaltigen Boom. Sanddorn ist IN. Im Rahmen der Suche nach unverfälschten und gesunden Lebensmitteln stehen Sanddornprodukte bei den Konsumenten ganz hoch im Kurs. Sanddorn ist nicht nur ein exzellenter Vitamin-C-Spender (der Vitamin-C-Gehalt ist höher als der der Zitrone oder Schwarzen Johannisbeere), sondern auch ein richtiges Multivitamintalent mit hohem gesundheitlichen Wert. Weitere wertvolle Vitamine wie Provitamin A, Vitamin E und Vitamin K sind im Sanddorn zu finden.


Sanddornöl - Gold der Sanddornbeere
Bei Sanddorn denkt jeder an die Power-Frucht, den Vitamin C-Spender oder den widerstandsfähigen Dornenstrauch in Hecken und Gärten oder den Dünen der Ost- und Nordsee. Weniger bekannt, aber überaus interessant ist das Sanddornöl, die naturheilkundliche Perle, mit Inhaltsstoffen, die in keinem anderen Öl vorkommen.
In Zentralasien und Skandinavien werden die sonst im Pflanzenbereich seltenen Lipide des Fruchtfleisches und des nussartigen Samenkerns schon seit Jahrhunderten in Medizin und Kosmetik eingesetzt.

Fachlich wird zwischen Fruchtfleisch- und Kernöl unterschieden. Sanddornöl, das aus dem Fruchtfleisch gepresst wird, ist kräftig orangerot gefärbt und hat einen charakteristischen fruchtig-öligen Geschmack. Die ernährungsphysiologischen und kosmetisch interessanten Eigenschaften des Sanddornöls manifestieren sich in den hohen Gehalten an biologisch aktiven Substanzen: Carotinoide (vor allem Provitamin A) 30 bis 120 mg, Vitamin E (Tocopherol) 50 bis 150 mg pro 100 g Öl, Phytossterole sowie essentielle Fettsäuren. Ein bis zwei Teelöffel Sanddorn-Fruchtfleischöl decken den Tagesbedarf eines Menschen an Pro-Vitamin A und Vitamin E.
Das Sanddorn-Fruchtfleischöl dient als Radikalenfänger und fördert die Verjüngung des Gewebes durch Zell-Erneuerung. Damit wird dieses einzigartige Pflanzenöl zum begehrten Wirkstoff in der speziellen Anti-Aging-Kosmetik und im medizinischen Bereich bei der Förderung der Wundheilung eingesetzt.

Sanddorn-Kernöl ist bei Neurodermitikern zunehmend bekannt. Das besondere Spektrum mehrfach ungesättigter Fettsäuren und weiterer natürlicher Inhaltsstoffe des Sanddorn-Kernöls können die gestörten und häufig überschießenden Hautfunktionen regulieren helfen. Sanddornöl hat keinerlei Nebenwirkungen auf biochemische Abläufe im Körper. Im Gegenteil: es bringt so viele positive Wirkungen bei innerlicher und äußerlicher Anwendung hervor, dass derjenige, der es probiert hat, schon bald nicht mehr darauf verzichten möchte.

Constanze Seibold

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