Inselsafari auf Usedom

Mit dem Jeep auf Usedom-Safari (Foto: Rainer Höll) Mit dem Jeep auf Usedom-Safari (Foto: Rainer Höll)

Seit mehreren Jahren schon begegnet man den etwas martialischen olivgrünen Jeeps mit der Aufschrift „Insel-Safari“, auch in vielen Hotels wird dafür geworben. Nun habe ich es Mitte Mai voller Erwartung selbst ausprobiert.

Start war die Kurverwaltung in Ückeritz, und schon drei Minuten später fuhren wir auf einem auch mir als Insel-Vielfahrer bisher unbekannten Weg bis zum Hafen Stagnieß. Über den benachbarten Gesteinsgarten am Forsthaus ging es dann querfeldein nach Pudagla, bis dahin noch für nicht tief gelegte PKW mit einigem Geschick zu bewältigen. Die Fahrt auf den Glaubensberg bei Pudagla bedeutete dann das endgültige Ende für alle „normalen“ Fahrzeuge, doch für Gunnar Fiedler mit dem Allrad kein Problem.

Einen Vorgeschmack auf Kommendes bot die Aussicht über den Schmollensee zur Ostsee und zurück zum Achterwasser.
Im kleinen Ort Stoben am Schmollensee trifft sich die Vergangenheit der Dorfanlage mit den Möglichkeiten neuzeitlicher Farbgebung, sorgfältig begutachtet durch den ersten Seeadler des Tages, der für die Leistungsfähigkeit meines Kameraobjektivs aber leider zu hoch flog.
Vorbei an naturnaher Schweinehaltung, nur kurz eine Asphaltstraße streifend, lockte der Aussichtsturm am Kückelsberg zum Lunch. Der Aufstieg dorthin zu Fuß belohnt mit einer einzigartigen Aussicht. Der Sicht-Bogen reicht vom Heringsdorfer Strand über die Schornsteine Swinemündes bis zum Stettiner Haff.

Unser nächstes Ziel, das Wasserschloss Mellenthin, erreichten wir über Wege und Wiesen, die für den öffentlichen Verkehr weder geeignet noch erlaubt sind. „Man muss eben mit den Landbesitzern reden“, meinte Gunnar Fiedler verschmitzt…
Die Suckower Eiche, ein etwa 800 Jahre altes Naturdenkmal, wies uns dann den Weg am Peenestrom entlang zum Hafen Rankwitz, bereits auf der Halbinsel Lieper Winkel gelegen. Wie bestellt flog das Seeadlerpärchen etwas fotofreundlicher. In Warthe sahen wir dann ein Fischerboot anlegen, aber das Wort „Hafen“ würde diese Stelle stark aufwerten. Zumindest konnten wir dort, nach Kaffee und Kuchen, den Blick der Fische in eine (zum Trocknen aufgestellte) Reuse nachvollziehen.

Das Gelb der Rapsblüte begleitete uns anschließend, nachdem wir ein Baumhindernis auf dem Weg beseitigt hatten, rund um den Krienker See über Dewichow mit seiner Reiherkolonie nach Balm. Der Reiz des Achterwassers, der großen „Ausbuchtung“ des Peenestroms, erschließt sich nicht mit dem Auto, denn auch wir mussten, nein durften einen großen Teil des Weges zu Fuß zurücklegen. Vorbei am Teufelsstein, einem von Reihern bewachten Findling im Uferwasser. Welcher Autotourist vermutet schon zwischen Neppermin und Pudagla am Achterwasser eine Steilküste?

Sonnenuntergang über dem Achterwasser (Foto: Rainer Höll)Der Abschluss der Safari, wie zufällig mit freiem Blick nach Westen über das Wasser, zeigte uns, wie frischer Fisch ohne Brandgefahr am offenen Feuer gegrillt werden kann. Und das kleine schwarze Tier am Wasser, glücklicherweise aufs Foto gebannt, erwies sich nach einem späteren Blick ins Naturkundebuch als Nerz. Der verlockende Fischgeruch verlor aber dann doch gegen den Überlebenstrieb, und der Nerz verschwand im Ufergebüsch.
Oft beschrieben, hielt der Sonnenuntergang über dem Achterwasser dann auch wirklich alles, was von ihm berichtet wird. Ihn muss man einfach erleben.

Bis zu diesem Tag glaubte ich, Usedom aus jahrelangem Befahren und zweijährigem Bewohnen recht gut zu kennen. Nach der Safari weiß ich, diese „Kenntnis“ beschränkte sich auf die Asphaltstraßen, einige ausgebaute Radwege, den Ostseestrand und deren sichtbares Umfeld.
Die „Insel-Safari“, betrieben von Uwe und Gunnar Fiedler aus Wolgast, erschließt Usedom anders, auf verschiedenen Routen, zu jeder Jahreszeit, immer authentisch, mit viel Detailkenntnis und der nötigen Bereitschaft zu Abenteuern. Dabei war unsere Tour noch vergleichsweise normal, denn auch Schlauchboot- oder Kanufahrten im Bereich der Peenemündung bei Anklam, Zeesbootsegeln auf dem Stettiner Haff oder Rundflüge sind auf Wunsch im Programm. Keine Tour ist wie die andere, Überraschungen sind erwünscht, spontane Programmänderungen möglich, (fast) sämtliche Kundenwünsche sind Gesetz für die sehr flexiblen und einfühlsamen Veranstalter.

Rainer Höll

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