Neue Ausstellung im Historisch-Technischen Museum Peenemünde

Neue Ausstellung im Historisch-Technischen Museum Peenemünde
Als Exponat ist die sogenannte Vergeltungswaffe "V2" auf dem Freigelände des HTM zu sehen

Vernichtender Fortschritt. Serienfertigung und Kriegseinsatz der Peenemünder „Vergeltungswaffen“

In den Peenemünder Versuchsanstalten im Norden der Insel Usedom wurden zwischen 1938 und 1945 die automatische Flugbombe „Fi 103“ und die weltweit erste militärische Großrakete „Aggregat 4“ entwickelt und erprobt. Produziert wurden beide Waffen unter systematischem Einsatz von Häftlingen. Die Entwicklungen kamen im Zweiten Weltkrieg als Terrorwaffen zum Einsatz, mit denen Städte zerstört, Zivilbevölkerung getötet und so weit in Angst und Schrecken versetzt werden sollten, dass beim Kriegsgegner der Wunsch nach Kapitulation entsteht. Diesen Anspruch im Rahmen des Luftkriegs und die mit den Waffen verbundenen Hoffnungen offenbart der Begriff der „Vergeltungswaffe“ in der NS-Propaganda. Die Peenemünder Entwicklungen und eine ganze Serie weiterer Fernwaffen sollten den Krieg im Westen zugunsten des Deutschen Reichs entscheiden. Tatsächlich änderten weder die 22.400 eingesetzten Fi 103/„V 1“ noch die 3.200 A4/„V 2“ den Kriegsverlauf.

Die Fertigung und der Einsatz dieser Waffen waren das Ende eines längeren Prozesses, einer Rüstungseskalation, die die Logik des gesamten modernen technischen Krieges bestimmte und in totalen Waffen wie der deutschen Rakete und der amerikanischen Atombombe ihren Höhepunkt fand. Sie waren auch ein wichtiges Element in der Endphase des kriegführenden deutschen NS-Systems. Sie lieferten einen Grund, warum die Deutschen „bis in den Untergang“ kämpften, obwohl ihre Niederlage längst feststand. Peenemünde war ein zentraler Ort, an dem dieses Geschehen vorbereitet wurde. Die Peenemünder Ingenieure waren aktiv beteiligt an der Planung, der Fertigung sowie dem Einsatz und an der Ausbildung der ausführenden Kräfte.

Die neue Sonderausstellung des Historisch-Technischen Museum Peenemünde dokumentiert die Praxis von Fertigung und Einsatz in einem bisher nicht dagewesenen Umfang. Zu sehen sind etwa 180 Fotos, Filme, Dokumente und Objekte, unter anderem ein originales Raketentriebwerk, das 1944 in England einschlug. Zudem wird erstmals das großformatige Gemälde „Fortissimo“ von Klaus Ritterbusch gezeigt, welches das Kraftwerk Peenemünde als Motiv aufgreift und mit künstlerischen Mitteln nach den Verbindungen des Ortes in seine historische und heutige Umwelt fragt.

Die Ausstellung wird am 22. Februar 2018 um 11 Uhr im Historisch-Technischen Museum Peenemünde eröffnet und dort bis zum 13. Januar 2019 gezeigt.

Text: Kai Hampel / HTM
Foto © Karin Höll

Datum: 08.02.2018

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