Vollschiff 'Khersones' auf der Ostsee

Segelschulschiff 'Khersones' (Foto: Lutz Zimmermann/www.inmaris.de) Segelschulschiff 'Khersones' (Foto: Lutz Zimmermann/www.inmaris.de)

Eine Rarität – das Segelschulschiff mit Komfort
Fern am Horizont ein hoch auf ragender Dom aus prall gefüllten Segeln, der mit seinen 55 Metern die mecklenburgische Küste überragt. Damit kündigt sich das ukrainische Vollschiff "Khersones" (111 m lang, 14 m breit, 6,5 m Tiefgang, 2500 BRZ, 1989 in Danzig gebaut, im Frühjahr 2000 modernisiert, umgebaut und renoviert) an – sehnlichst und gespannt erwartet von seinen Gästen. Eine Woche wollen sie an Bord des Großseglers verbringen. Erholung bei Sport und Spaß sind angesagt.

Das Wetter verspricht eine gemütliche Kreuzfahrt. Verschmitzt blinzelt die Sonne durch weiße Wattewolken. Die Mecklenburger Bucht glänzt im Morgenlicht. Glücklich klettern die Mitsegler auf „ihre“ „Khersones". Darunter viele ehemalige Trainees, die vor 2000 noch in kargen Zwölfer-Schlafsälen nächtigen mussten. Das ist mit dem neuen Outfit endgültig vorbei. Moderner Komfort und Behaglichkeit - kein echter Windjammer bietet Vergleichbares - sind angesagt: in „Windjammer“- oder „Commodore“-Suite, „Honeymoon“-Kabine, Zweier- oder Viererkabine, allesamt natürlich mit Dusche und WC. Auffallend ist das stilechte maritime Ambiente mit freundlich-warmer Holztäfelung. Für jeden Bedarf und Geldbeutel, ob Familie, Ehepaar oder Single, ist etwas dabei.
An der achteren Gaffel flattert ungeduldig das Blau-Gelb der Ukraine, im Vortopp Schwarz-Rot-Gold. Klar zum Auslaufen in skandinavische Gewässer.

In den Rahen (Foto: Lutz Zimmermann/www.inmaris.de)Learning by doing
Ute, Studentin der Slawistik und aus Begeisterung für Großsegler deutsche Verbindungsoffizierin an Bord, bittet ihre Segelschützlinge erst mal zum Unterricht: was sein muss, muss sein! Allgemeines Verhalten an Bord, Sicherheitsbestimmungen an Deck und im Mast, Grundlagen der Seemannschaft sowie die wichtigsten Handgriffe beim Segelsetzen und – bergen, alles freiwillig natürlich, stehen auf dem „Lehrplan“. Unterricht bekommt hier einen direkt einseh- und umsetzbaren Sinn. Lebensnähe nennt man das oder neudeutsch: learning by doing. Ute ist mit Motivation und Lerneifer mehr als zufrieden. Die Antwort auf die abschließende Frage nach unserem Kurs überlässt sie dem Wind, der es allein wissen soll.
Geplant ist das Seegebiet rund um Bornholm, denn da gebe es noch genügend Segel-Auslauf für einen Großsegler. Seefahrt pur also. Das Wetter spielt mit: Sonne, Wind und nur leichte Wellen, die dem „Dickschiff“ nichts anhaben können. Das Rigg knackt verheißungsvoll.

Mars bleibt Mars
Die frische Brise bläst alle - nach einer gemütlichen Nacht und einem stärkenden Frühstück - recht bald munter. Wer als aktiver Trainee zupacken möchte, findet sich an seinem Mast ein, andere Mitsegler genießen das Zuschauen oder fotografieren. Noch etwas unkoordiniert geht es an den Leinen zu nach dem Motto: Wir ziehen alle an einem Tampen, doch jeder in eine andere Richtung. Das reizt die Lachmuskeln. Was wann gemacht werden muss, erklärt jeweils ein ukrainischer Segelmeister. Seine theaterreife Mimik und Gestik verstehen alle. Auch unterscheidet sich so mancher russische Fachausdruck kaum von dem entsprechenden deutschen. Brass heißt auch hier Brass, Fock ist Fock und Mars bleibt Mars, ganz einfach also.

Die erfahrene Stamm-Crew entert wieselflink auf und löst die Segel von den Rahen. „Umwerfend, dieser Anblick!“, schwärmt Christine aus Schwerin, als sich das 3000 Quadratmeter-Tuch wenig später bauchig bläht. Nur ein paar Segel-Erfahrene, die sich damit bereits auskennen, lässt der Kap-Hoorn-erprobte Kapitän Mikhail Sukhina auf die Rahen klettern. Safety first! Bis auf die fast 20 Meter hohe Marssaling dürfen sie jedoch alle. Natürlich unter Utes Anleitung und mit Sicherheitsgurten, aber auch mit ihren umgehängten Fotoapparaten. „Super!“, finden die Wantenkletterer das völlig neue, geradezu aufputschende Höhengefühl und den Ausblick in die Ferne: „Wie klein unser Schiff doch von hier oben wirkt!“ Die nächsten Wenden und Halsen klappen schon recht ordentlich.

Kadett am Sechstanten (Foto: Ecker Yachting/www.inmaris.de)Aktivität und Entspannung
Auf der voll ausgerüsteten Navigationsbrücke, einmalig in der Welt, üben derweil einige mit Zirkel, Lineal und Bleistift an der Seekarte. „Wollen doch mal sehen, ob wir unsere Position feststellen können“, ist Gerd aus Eckernförde neugierig. Das Ergebnis präsentiert er stolz seiner Frau Heidi. Sie fährt als „ganz normale Seereiseurlauberin“ mit und genießt die Windjammerromantik entspannt und ohne Aktivität. „Hier ist so viel los, da braucht´s keine Animation“, hat sie schnell erkannt. Während ihr Mann überall freudig mit zupackt beim Deckschrubben, Malen oder Steuern, hält sie einen Plausch an der Reling und lässt das Bordleben „einfach so“ auf sich wirken. Die Seele baumeln lassen, ob beim Zupacken oder Zugucken, jeder nach seinem Geschmack.

Segelsüchtige Bordgemeinschaft
Die nächsten Tage pendeln wir windbedingt zwischen den Kreidefelsen von Møn, den Felsklippen von Bornholm und Mecklenburg-Vorpommerns Küste hin und her: mal blitzt uns der Dornbusch-Leuchtturm auf Hiddensee an, mal der von Hammershus an der Nordspitze Bornholms oder der vom Darßer Ort. Von der über 50 Meter hohen Royal-Rah schweift der Blick weit über Ostsee und Hinterland.
Nach vielen Segelmanövern wird wieder Kurs auf Warnemünde genommen. Die Uferpromenade ist voll von Seh-Leuten, als „Khersones“ einläuft. Bei schönstem Wetter. „Schade!“, ist die einhellige Meinung, als es Abschiednehmen heißt. Auch dass es mehr als Urlaub gewesen ist, darüber sind sie sich einig. Zwar keine Seeleute, aber begeisterte Trainees und Mitsegler - mit Seemeilenbestätigung vom Kapitän - hat der Törn aus ihnen gemacht. Sie sind eine Bordgemeinschaft geworden.

Einhelliges Fazit: „´Khersones` muss sein! Danach kann man süchtig werden. Darum: da capo im nächsten Sommer!“
 
Text: Peer Schmidt-Walther, Fotos: Lutz Zimmermann (2), Ecker Yachting (1), www.inmaris.de

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