Der Metallgestalter Udo Richter

Udo Richter beim Gießen einer Hausmarke (Foto: Rainer Höll) Udo Richter beim Gießen einer Hausmarke (Foto: Rainer Höll)

Es ist leicht, sich dem Haus von Udo Richter zu nähern. Unweit einer erneuerten Straße an der Ortsdurchfahrt von Pepelow am Salzhaff in Mecklenburg gelegen, lässt das Umfeld sofort das Interesse an Ungewöhnlichem erkennen. Das alte Bauernhaus wirkt äußerlich naturbelassen, im Innern wird ebenfalls mit der „Natur“ gearbeitet.
Weniger leicht ist es, sich dem Menschen Richter zu nähern. Ein bisschen erstaunt und neugierig blickte er mich an, als ich ihn bei einer Vernissage im Usedomer Kunsthaus Zinnowitz traf und anbot, über ihn zu schreiben.

Der Sonnenschein am Besuchstag drang durch die gläserne Eingangstür fast bis zum Kern vor - dem Schmelzkern seines neuesten Werkes, dessen Entstehung ich verfolgen konnte. Die fertige Gießform enthält den Abdruck einer Muschel.
Udo Richter spricht nicht ungern über sich selbst, lässt den Zuhörer jedoch bewusst auf einem Umweg. Er breitet keine hehren künstlerischen Ambitionen aus, sondern illustriert die Mühen der künstlerischen und vor allem existenziellen Ebenen.
Damit hat der Endvierziger reichlich Erfahrung.

In seiner Geburtsstadt Leipzig erwarb er den Abschluss als Gießereifacharbeiter mit Abitur, begann nach dem Wehrdienst ein Studium an der Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm, das er 1982 als Industrieformgestalter abschloss. Die damals zu gestaltende industrielle Form zog ihn jedoch nicht in ihren Bann, und so versuchte Udo Richter, sich seine eigene kleine Wirklichkeit zu gestalten: er kaufte zunächst das damals verfallene Bauernhaus, in dem er heute noch wohnt.

Den Weg zu sich selbst, zu seinen künstlerischen Vorstellungen, konnte er erst seit 1989 beschreiten. Metallgestaltung - Synthese aus Lehrberuf und Studium - so bezeichnet er seine Profession. Der erste Blick auf seine künstlerischen Produkte genügt nicht, um sich ihm zu nähern. Der Aluminium-„Wurm“ mit Messingkopf etwa, oder der verrostete Lukendeckel eines Panzers. Für den Laien schier unbegreiflich, wie ein chaotisch geformtes pyramidenartiges Gebilde mit einem einzigen Guss hergestellt werden kann. Übrigens ist die Chaostheorie so etwas wie sein Hobby. Und Aluminium ist seine Welt. „DDR-Aufarbeitung“ nennt er das Einschmelzen von Aluminiumschrott aus der alten Zeit. Schaltkasten, Gülleschlauchanschluss, Mopednabe, das alles verschwindet unter meinen Augen in der Schmelze.

Hausmarke (Foto: Rainer Höll)Seine Werke fanden schließlich den Weg in verschiedene Ausstellungen, in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Bremen. Symposien unterschiedlichster gestaltender Kunstbereiche sahen ihn als Teilnehmer, auch der Umgang mit Holz und Beton interessiert ihn. Folgerichtig beteiligte er sich an Ausschreibungen für die Komplettgestaltung städtischer Bereiche. Unzweifelhaft - er sagt es, ohne es auszusprechen - besitzt er Energie für solche Projekte, seine Gedanken reichen weiter als die Dimensionen der Ein-Mann-Gussform.

Die Schmelze ist fertig, sie darf nicht „kochen“, dann wird der Guss unregelmäßig. Voller Konzentration gießt Udo Richter den Inhalt des Tiegels, die etwa 600 °C heiße Flüssigkeit, in die vorbereitete Form, wird skeptisch, als die Einfüllöffnung voll gelaufen ist, ohne dass die Schmelze in den beiden Luftlöchern zu sehen ist.
Schon nach wenigen Minuten kann die Guss-Form aus Spezialsand entfernt werden, das Metall ist fest geworden, aber in welcher Form?
„Ja!“ - der befreiende Ruf zeigt, die Arbeit war nicht umsonst. Die Aluminium-Muschel wird bald ihren Platz als Hauszeichen finden.

Rainer Höll

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